Unser Appell an Bund-Länder-Treffen

BÜNDNIS JUNGE LANDWIRTSCHAFT- Kampagne „Bauer sucht Land“

Stoppt Landgrabbing! Für eine bäuerliche Agrarstruktur in Ostdeutschland! Appell von Jungbauern und -bäuerinnen, StudentInnen & Auszubildenden an die TeilnehmerInnen des Bund-Länder-Treffens der Agrar- und Finanzminister am 30.1.2013 in Berlin

Die Agrarstruktur in Ostdeutschland ändert sich rasant. Spekulation und „Landgrabbing“ außerlandwirtschaftlicher Investoren sorgen für explodierende Bodenpreise und Mega-Betriebe, denen es nur um kurzfristige Gewinne und das Abgreifen von Subventionen geht. Sie agieren ohne regionale Verankerung und Wertschöpfung. Umweltschutz, Nachbarschaftshilfe oder die Lebensqualität ländlicher Regionen ist diesen Investoren egal.

Bäuerliche Betriebe und Existenzgründer haben in diesem „Agrar-Monopoly“ schlechte Karten. Die aktuelle Agrarpolitik (Bodenprivatisierung durch die BVVG, EU-Subventionen) begünstigt Großbetriebe und kapitalkräftige Investoren. Sie führt in den ostdeutschen Bundesländern zum Gegenteil dessen, was in politischen Konzepten zur Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume postuliert wird: Die ländlichen Regionen bluten weiter aus. Tausende Arbeitsplätze auf dem Land gehen verloren. Regionale Kreisläufe werden durch die Agrarindustrie verdrängt. Die Arten- und Sortenvielfalt sinkt. Massentierhaltung, Agrarwüsten, Lebensmittel- und Umweltskandalen sind Tor und Hof geöffnet. Die Folgen dieser Politik zahlen nicht die Verursacher, sondern alle.

Wir sind junge Bäuer_Innen, Student_Innen und Lehrlinge in der Landwirtschaft. Wir sind gut ausgebildet, kreativ und engagiert.

Wir wollen auf dem Land leben und arbeiten, Familien gründen, faire Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen.

Wir brauchen keine Geschenke. Wir brauchen Land zu Konditionen, die eine Existenzgründung ermöglichen. Wir sind bereit, wirtschaftliche Risiken zu tragen, aber wir brauchen eine faire Chance beim Zugang zu Agrarland.

Wir fordern neue Regeln für die Bodenprivatisierung durch die BVVG. Die noch vorhandenen Flächen sollen nach agrarstrukturellen Aspekten zugunsten einer bäuerlichen Landwirtschaft privatisiert werden. Für Neu- und Quereinsteiger in die Landwirtschaft fordern wir bessere Chancen, z.B. durch begrenzte Ausschreibungen kleiner Lose unter 10 ha für Junglandwirte. Notwendig sind auch neue Initiativen, die bäuerliche Existenzgründungen fördern (Ausbildung, Beratung). Hierzu gehört die Sicherung vorhandener und die Schaffung neuer Hofstellen.

Darüber hinaus fordern wir wirksame Gesetze gegen die Konzentration von Agrarland und eine Kappung der Subventionen für die Agrar-Industrie.

Wir nehmen nicht länger hin,
- dass die ostdeutsche Lobby der Agrarindustrie weiter die Richtung der Politik bestimmt
- dass unser Agrarland außerlandwirtschaftlichen Investoren ausgeliefert wird
- dass wenige Großbetriebe den Löwenanteil der EU-Subventionen abgreifen
- dass bäuerliche Betriebe systematisch benachteiligt werden

Am 30. Januar entscheiden die Agrar- und Finanzminister des Bundes und der ostdeutschen Länder über den weiteren Weg bei der Privatisierung staatlicher Flächen. Wir fordern: Bauernland in Bauernhand! Schluss mit Landgrabbing! Macht endlich eine Politik für eine vielfältige bäuerliche Kultur zugunsten unserer ländlichen Regionen und unserer Umwelt!

BÜNDIS JUNGE LANDWIRTSCHAFT, Kampagne „Bauer sucht Land“ – Stoppt Landgrabbing! Für eine bäuerliche Agrarstruktur in Ostdeutschland!

Eberswalde 17. Januar 2013