Bienenwerder resists!

PLEASE FIND the ENGLISH VERSION BELOW the GERMAN ONE!

Bienenwerder:  Öffentlichkeitserklärung vom 1.Juli

-LANDGRABBING BEI BERLIN
-KLEINER BIO-BETRIEB WEHRT SICH
-AKTIONEN GEPLANT

Warum wendet sich  ein kleiner Biobetrieb in Brandenburg an die Öffentlichkeit? Wir, der Betrieb Bienenwerder, der Verein in Bienenwerder und alle dazugehörigen
MitarbeiterInnen, Vereinsmitglieder und FreundInnen wollen in dieser Erklärung etwas
mitteilen, was nicht nur uns betrifft. Vielmehr ist der Prozess, dem wir ausgesetzt sind,
einer, der bezeichnend ist für etwas, das im großen Stil uns alle in der Region betrifft.

Landgrabbing,
schon mal gehört? Was hat das mit Dir zu tun? (Landgrabbing ist auf Flächen bezogen ein bisschen so, wie wenn Deine Miete ständig steigt, bis Du aus Deiner Wohnung fliegst) Isst Du gerne regional, erholst Dich gerne in der umliegenden Natur oder hast Du auch schon einmal diskutiert, warum immer mehr (junge) Menschen aus Ostdeutschland wegziehen?

Ein Aspekt, der in all diese Punkte hineinspielt, ist die Landvergabepolitik in Ostdeutschland. Warum? Ganz einfach: ohne Zugang zu Land können wir keine regionalen Lebensmittel produzieren, ohne nachhaltige Landwirtschaft ist unsere Umgebung schon jetzt immer mehr geprägt von endlosen Maisfeldern und Agrarwüsten, ohne arbeitsbindende (regionale) Betriebe und Strukturen gibt es für uns (junge) Menschen keine Zukunftsperspektiven in Brandenburg.

Landgrabbing in Deutschland? Ja  – und sogar direkt vor unserer  Tür, der Tür zu unserem kleinen Hof. Seit drei Jahren sind  wir, der Organische Landbau in Bienenwerder  dem konstanten Druck der Existenzgefährdung durch die Landvergabepolitik in unserer
Region ausgesetzt. Und nun wurden wieder anliegende Flächen, die für diesen Hof wichtig sind, zum Verkauf ausgeschrieben.

Die falsche politische Entscheidung hat schon vor Jahren dazu geführt, dass der Privatisierungsprozess der vielen im staatlichen Besitz befindlichen landwirtschaftlichen Nutzflächen sich nicht danach richtet, wer nachhaltig, arbeitsbindend oder einfach regional wirtschaftet  –vielmehr wurde tragischer weise beschlossen, dass nur das höchste Gebot beim Verkauf von öffentlichem Land entscheidend ist.

Bei den Zuschlagskriterien wird auch der Bedeutung, die die jeweiligen Flächen für einen real existierenden Betrieb haben,  keinerlei Beachtung geschenkt. Die Verkaufspolitik, aber vor allem auch die Verkaufsstrategien der „Bodenverwaltungs- und verwertungs- Gesellschaft – BVVG“ (Treuhandnachfolgerin) führen zu immer größeren Besitzstrukturen und zur Zerstörung  von Möglichkeiten für kleine und mittelständische Betriebe. Wie schon der Weltagrarbericht bestätigt, sind  aber genau diese für die ländliche Entwicklung unverzichtbar, sowie für die Versorgung der Menschen im städtischen Raum mit vielfältigen Lebensmitteln.

So ein Hof sind wir: Über 100 verschiedene Gemüse-, Obst-, Kräuter- und Blumenkulturen werden hier angebaut; anstatt viel Geld in teure Technik und Diesel zu versenken arbeiten wir mit vielen Menschen und Arbeitspferden nachhaltig, aber nicht rückwärtsgewandt. Wir vermarkten unsere Produkte direkt und ohne Umwege nach Berlin.  Arrondierende Flächen sind naheliegende Weidegründe für unsere Milchziegen und Arbeitspferde, während sie gleichzeitig der wildlebenden Artenvielfalt dienen. Das Ergebnis dessen, was passiert, wenn Flächen an irgendwen verkauft werden, mussten wir gerade erst vor unserer Haustür erfahren: die zuletzt verkauften Flächen Wald, die an unseren Hof grenzen, sollen jetzt nach einem intensiven Harvester-(Holzerntemaschinen)einsatz mit dem Totalherbizid-Spritzmittel Round Up behandelt werden  –  Guten Appetit und hoch lebe der Schutz der Artenvielfalt!

Durch unsere Bemühungen konnten wir in den letzten Jahren bereits einige Hektar Land erwerben und sind auch schon ein wenig  als ein Hof bekannt, der sich wehrt. Dies und
auch der politische Druck, der seit letztem Jahr durch das „Bündnis junge Landwirtschaft“ aufgebaut wurde, hat dazu geführt, dass die Flächen immerhin nur begrenzt ausgeschrieben wurden. Dies bedeutet, dass erst einmal nurökologisch wirtschaftende Betriebe, Betriebe junger LandwirtInnen und intensiv arbeitende Betriebe (Achtung: auch intensive Tierhaltung ist hier gemeint!) sich bei dieser Ausschreibung bewerben können.

Ein Teil dieser Kriterien könnten für uns Grund der Freude sein, jedoch müssen sie wieder in dem Kontext betrachtet werden, in dem sie Anwendung finden: Die BVVG hat es jahrelang versäumt, ihrer Pflicht nachzukommen, Flächen dieser Art in ausreichendem Maße – durch die oben angeführten Kriterien –  beschränkt auszuschreiben. Manchmal wurde ein kleines Stückchen „zwischen zwei Bahngleisen“ in dieser Weise beschränkt ausgeschrieben, nur gab es weit und breit keinen Biobauern und auch kaum Zufahrtswege.

Keiner/m von uns wurde in der Vergangenheit je eine benötigte Fläche mit dieser Option der beschränkten Ausschreibung angeboten. Ganz im Gegenteil: Wir in Bienenwerder haben zuerst etliche Briefe des Drucks und der Absagen auf unsere Anfragen bezüglich der Erwerbsmöglichkeiten für Flächen von der BVVG erhalten. Jetzt wehren sich erstmals junge BäuerInnen und der Druck auf die BVVG hat sich erhöht. Das ist gut.

Neben den Kriterien der Ausschreibung gibt es aber natürlich noch ein sehr greifbares Kriterium, das  uns als LandwirtInnen einen Kaufmöglich, oder eben unmöglich macht: der Preis. Der in der Ausschreibung festgelegte Mindestwert, der geboten werden muss, richtet sich nach den in den letzten Jahren geboten Preisen für Flächen im Umland. Diese Preisentwicklung ist aber maßgeblich durch die Verkaufsstrategien der BVVG selbst entstanden. Auf vielschichtige Weise werden die Preise gezielt nach oben getrieben: Die
verdeckten Versteigerungen führen schon einmal grundsätzlich dazu, dass oftmals
viel zu hoch geboten wird, da ich als Bieter ja nicht weiß, wer und ob sonst überhaupt jemand und wie viel auf die von mir benötigten Flächen bietet.  Ein Betrieb wie unserer, der plötzlich mit dem Verkauf der existenznotwendigen Flächen des Gemüseanbaus konfrontiert war, war natürlich „gewillt“ unter dem Druck der BVVG immer höhere Preise zu
bieten. Zynischer weise  sind wir so selbst beteiligt an der Preisentwicklung nach oben, die vielerorts in den letzten Jahren zu zwei- bis vierfach höheren Preisen geführt hat.

Diese Preise sind vollkommen entkoppelt, von dem, was sich nachhaltig auf Brandenburger Flächen durch „normale“ Landwirtschaft zurück erwirtschaften ließe. Wir empfinden eine beschränkte Ausschreibung der Flächen an unserem Hof, mit der sich die BVVG und die zuständige Politik von dem öffentlichen Druck befreien möchten, als eine Provokation, wenn sie gleichzeitig das Mittel der Preisgestaltung nutzen, um im Nachhinein, wenn es sich für uns als unmöglich erweist mitzubieten, behaupten zu können, wir hätten ja nicht geboten. Junge LandwirtInnen können nicht auf dieser Ebene konkurrieren. Nachhaltig wirtschaftende Betriebe auch nicht.

Die Verantwortung  liegt bei der BVVG und ihren Verkaufsstrategien genauso wie beim ihr übergeordneten Finanzministerium, welches den politischen Weg bereitet für den Ausverkauf unseres gemeinsamen Gutes: der regionalen landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Wir fordern als Betrieb einen angemessen Orientierungswert und nicht einen , der sich am Landgrabbing in Ostdeutschland orientiert und den wir nicht aufbringen können. Wir lassen uns nicht nutzen für eine Greenwashing-Strategie der BVVG. Wir fordern als junge LandwirtInnen einen sofortigen Stopp aller Verkäufe und eine gemeinsame Entscheidung über die Landvergabe der noch verbliebenen Flächen in Ostdeutschland.

Wir laden Sie als KonsumentInnen, sowie als BewohnerInnen der Region ein, diese Forderungen mit uns gemeinsam zu gestalten, da wir uns dazu alleine nicht in der Lage sehen und es  weniger um unsere individuelle Zukunft, als die von uns allen geht.

IN DEN KOMMENDEN WOCHEN WERDEN WIR AUF VIELFÄLTIGE WEISE
AKTIONEN MACHEN:

-
17.JULI, 14 UHR: Kommt alle zum öffentlichen
Geldverschleudern vor der BVVG-Zentrale in Berlin!

BVVG Bodenverwertungs- und-verwaltungs GmbH
Schönhauser Allee 120
10437 Berlin

Telefon: 0 30/44 32-0
Fax: 0 30/44 32-12 15

INFO UND KONTAKT:
JULIA BAR-TAL (Hof Bienenwerder): 0176 64 27 32 98
http://www.stopp-landgrabbing.de/

Ansprechpartner und
Pressekontakt
Büro BÜNDNIS JUNGE LANDWIRTSCHAFT
C/o Zukunftsstiftung
Landwirtschaft
Marienstraße 19/ 20
10117 Berlin
Tel.: 030/27590309

Kampagnenbüro
Willi Lehnert

Mail an:
landgrabbing-presse(at)riseup.net

Unsere Bürozeiten:
Montag 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Donnerstag 10:00 bis 13:00 Uhr

Sprecher:
Johannes Erz
Mobil: 0176/20261243
———————————–

Bienenwerder public statement, July 2013

-LANDGRABBING CLOSE TO BERLIN
-SMALL ORGANIC FARM GOES INTO THE DEFENCE
-ACTIONS PLANNED

Why on earth is a small organic farm writing a public statement, one might ask?
We the farm, the association and all the employees, members and friends want to
express something in this publication of which we feel is of great importance, not
only to us, but also for all. We understand that the process we are exposed to is
characteristic for something hitting the whole region and surely many other
regions in the world.

Even when naming it a rural phenomena one might argue how deeply it effects the
livelihoods of city folks too.

Landgrabbing?
Ever heard of it? (It’s something like when in the cities you get kicked
outta your apartement, after the rents are rising since years.) What does
landgrabbing have to do with you? Do you like to determine what you eat
(maybe choosing regional products), find some resort in the surrounding nature or
have you ever discussed why more and more (young) people leave the countryside?
–This, by the way being a massively discussed problem concerning east Germany, where
we live.

One aspect that plays into all these and more points here abouts is the land
privatization policy decided upon after East Germany was united with the West. The
importance of access to land is quite clear: without it we can’t produce any regional
food, without sustainable agriculture our surrounding is already more and
more shaped into endless agricultural deserts, without work binding (regional)
businesses and structures there is no future perspectives for us (young) people in
eastern Germany or anywhere else in the world.

Landgrabbing in Germany? Yes –and actually just in front of our little farm door. Since
three years we the organic farm of Bienenwerder are under the constant pressure
of loosing our existence due to the land privatization policies of our government.
And now, once again they are putting out for sale a chunk of land surrounding
our farm.

Just to give you a single example of the massive scale the sales are leading to that we’re talking about: KTG Agrar, the first German purely agricultural business at the stock market already owns something like 35 000 ha in our region. Starting from somewhere behind our back door in loose plots all the way to the polish border. They own lands all the way up to Lithuania too.

This land privatization process –or let’s call it sellout has been decided on years ago, just when
the wall between western and eastern Germany came down. It has been defined by its major wrong in which the decision of who gets the formally socialist state owned land is only determined by the highest bid. The bet does not go to those who prove they will farm sustainably, or create work places, or who might actually live there. This paved way for the masses of public land being sold
only to big enterprises and investors.

The criteria are in no way adjusted to the importance a piece of land might have for a real existing local business. An “independent” enterprise was founded for the purpose of facilitating the selling. This agency is called “BVVG – Bodenverwertungs und –verwaltungs GmbH” which translates into something like “Land utilization and administration Company”. Having the wrong policy making strengthening their evil back bone, their selling strategies have further tightened
reality for local farming. This lead to a massive growth of property sizes for some, while most small and middle scale businesses are on the losing side. The world agricultural report has already confirmed the importance of exactly these smaller sized farms as indispensable for rural development just as for the sufficient covering of the needs for people in the cities with diverse foods.

We are exactly such a farm: our size is in proportion to regional farms quite small (about 50 ha), we grow a big diversity of more than 100 different vegetables, fruits, herbs and flowers. Instead of dumping loads of money into expensive techniques and petrol we work sustainably with many people and working horses –without being romantically back worded. We market our products directly to nearby Berlin. Surrounding lands are the grazing lands for our goats and working horses, whilst in the same time giving space to the wild living biodiversity. They feed directly into the waters and areas of a natural reserve park.

The result of what happens when „somebody“ gets the land is what we in these days whitness also in front of our door: the last sold out pieces of forest went to a private investor, who started off by sending in the massive harvester machines for an intensive wood harvest and is now planning a big scale application to the whole forest with “Roundup”, a glyphosate total herbicide –Bon Appetit and long live the protection of biodiversity!

Through our efforts we have in the recent years been able to secure some pieces of land and
we have become known as a farm that knows how to resist. Since the “Confederation of young farmers” was founded last year and supported the demands as that of our farm in a united manner the political pressure has been effectively increased on the BVVG to act a tiny bit more decent in the public eye. Only through political campaigns did we find out about the possibility the agency
actually had to put land out for sale in so called limited auctions. The criteria underlining these, is that only young farmers, organic farmers or intensive farmers (carefull: here they implicitly mean intensive animal farming too) can apply to buy. Of course they had never in the past mentioned or offered such a possibility to any of the lands any of us is relying on.

Part of these criteria could be a reason of joy to us, no question. But again they need to be put in the context we are in: the BVVG has for years long not come up with their obligation to use this possibility. Sometimes they would have silently put out a “little triangle plot of land between two train tracks” only that there were no organic farms around and not even a path leading to the land. Then they could easily say nobody had an interest. None of us has ever been offered a chance in a limited auction for the lands we live on and that we asked to buy. Now we young armers have started to defend ourselves. That is good news. The pressure has been increased.

Now the next plot at our farm is out in a limited auction. Our farm is to be used to state an example of an agencys’ good will that never had none.

While we have to compete in a system we can’t compete with they have put one more criteria, a very simple and material criteria we can’t fulfill: the money. The minimum offer they set the bid to start with is determined by the highest offers they have in the past achieved to gain in sales for lands in recent years in the surrounding region. The price developments though themselves have
been created by the selling strategies of the BVVG and the investors needs to invest in uneasy times. A farm like ours, which suddenly was confronted with their little lands being put out for sale, the lands our vegetable gardens are on, just adjacent to our houses was of course “willing” to pay the higher and higher prices the BVVG demanded. By doing this to save our existence in the
past, we ourselves were instruments in developing the high prices per hectare of the presence. These prices have easily tripled in less than five years.

They are by now completely decoupled from what you can re-earn by any “normal” farming on
Brandenburger lands (usually lots of sand). We perceive this limited auction of our surrounding lands by the BVVG as a so called offer to us young sustainable farmers as the impertinence it is, when we know it is supposed to serve only the cause of freeing the responsible policy and the BVVG from public pressure. As long as the method of price is another method against us, just to be able to say afterwards we weren’t there to put a bid, this is nothing but washing themselves. Of course young farmers, small scale farmers, middle scale farmers and sustainable farmers cannot compete on this level.

The responsibility lies with the BVVG, through the strategies they use, just as it lies with the Ministry of Finance which overlooks and decides on all transactions and by its role is politically paving way for the sellout of our common good: the regional agricultural lands.

As a farm we demand a reasonable orientation of price and not one that orientates itself on landgrabbing in East Germany which we (all) can’t afford. We will not let ourselves be instrumentalised as a greenwashing strategy of the BVVG or our government. As young farmers we demand an immediate stop to all sales and a common decision for land giving policies of the remaining lands in East Germany.

We invite you as consumers of food, as inhabitants of the region and as participants of shared struggles to develop these demands together with us. We can not defend our common grounds alone and we are not defending our individual future.

IN THE
COMING WEEKS WE ARE PLANNING DIFFERENT ACTIONS:
-

17. JULY, 2 pm: Come all to our public money-throw-out to the central office of the
BVVG in Berlin!

BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH
Schönhauser Allee 120
10437 Berlin
Telefon: 0 30/44 32-0
Fax: 0 30/44 32-12 15

INFO AND CONTACT:
JULIA BAR-TAL (Hof Bienenwerder): 0049 – 176 64 27 32 98
bienenwerder@web.de

http://www.stopp-landgrabbing.de/

Press contact:
Office BÜNDNIS JUNGE
LANDWIRTSCHAFT
C/o Zukunftsstiftung
Landwirtschaft
Marienstraße 19/ 20
10117 Berlin
Tel.: 030/27590309

Campaign office:
Willi Lehnert
Mail to: landgrabbing-presse(at)riseup.net

Office open on:
Mondays from 2 pm to 6 pm
Thursdays from 10 am to 1 pm

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